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Keine Eile in den Lerchenäckern

Bei der Vermarktung der neuen Gewerbeflächen ist dem Wirtschaftsbeauftragten Ralf Binder die Qualität wichtiger als das Tempo

Die neuen Straßen sind fertig, jetzt können die Unternehmen bauen: 10,5 Hektar stehen im dritten Bauabschnitt der Lerchenäcker zwischen Backnang und Aspach zur Verfügung. An Interessenten mangelt es nicht, aber die beiden Kommunen wollen sich bei der Vermarktung des gemeinsamen Gewerbegebiets Zeit lassen. „Wir müssen mit den Flächen haushalten“, sagt der Backnanger Wirtschaftsbeauftragte Ralf Binder.

BACKNANG. Vor einer Woche war Ralf Binder auf der Expo Real in München, Europas größter Fachmesse für Immobilien und Investitionen. Am Stand der Region Stuttgart hat der Backnanger Wirtschaftsbeauftragte dort auch das Gewerbegebiet Lerchenäcker vorgestellt. Allerdings hat er nicht allzu offensiv die Werbetrommel gerührt, denn im Gegensatz zu den Anfangszeiten, als die Vermarktung der Lerchenäcker nur sehr schleppend voranging und böse Zungen über die „beleuchteten Wiesen“ spotteten, müssen Backnang und Aspach diesmal nicht nach Investoren suchen. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem“, sagt Binder. „Wenn wir es darauf anlegen würden, hätten wir die Flächen in wenigen Monaten vermarktet.“

Der Wirtschaftsbeauftragte, der sich im Auftrag des Zweckverbandes Lerchenäcker um die Vermarktung kümmert, hat aber andere Prioritäten: „Wir wollen möglichst viele Arbeitsplätze und einen guten Branchenmix.“ Denn er weiß: Jedes Grundstück kann er nur einmal verkaufen, und weder in Backnang noch in Aspach ist momentan klar, wo man noch Firmen ansiedeln soll, wenn es in den Lerchenäckern keine Flächen mehr gibt. Deshalb sind die Verantwortlichen bei der Auswahl der Käufer wählerisch. Manche Interessenten – etwa Einzelhandelsbetriebe oder Fast-Food-Ketten – scheiden schon deshalb aus, weil der Bebauungsplan eine solche Nutzung in diesem Gebiet ausschließt. Aber auch bei Anfragen aus der Logistikbranche reagiert Binder eher reserviert. Denn solche Betriebe brauchen in der Regel viel Platz und beschäftigen vergleichsweise wenig Personal: „Auf zwei Hektar Fläche arbeiten da vielleicht 20 Personen“, weiß Binder. Hinzu kommt noch der viele Lkw-Verkehr.

Der Schwerpunkt soll deshalb auch im dritten Bauabschnitt auf den Bereichen Produktion und Handwerk liegen, wobei die Flächen bevorzugt an Backnanger und Aspacher Unternehmen verkauft werden sollen, die sich erweitern wollen. Denn in den Rathäusern weiß man: Wenn eine Kommune ihren Firmen keine Flächen anbieten kann, besteht die Gefahr, dass diese abwandern. Ralf Binder wäre deshalb gar nicht traurig, wenn auch in zwei oder drei Jahren noch nicht alle Flächen in den Lerchenäckern verkauft wären: „Der Verkaufserlös steht für uns überhaupt nicht im Vordergrund.“

Auswärtige Unternehmen, die viele neue Arbeitsplätze schaffen, sind in den Lerchenäckern natürlich auch willkommen. Solche Verlagerungen gebe es allerdings eher selten, sagt Binder: „Da der Arbeitsmarkt sehr eng ist, müsste die Firma ihre Mitarbeiter mitbringen, das gelingt nur selten.“ Wichtig ist dem Wirtschaftsbeauftragten ein ausgewogener Mix – sowohl zwischen großen und kleinen Firmen als auch bei den Branchen. „Wir wollen keine Einseitigkeit“, betont Binder. Denn dann bestünde die Gefahr, dass die Krise einer Branche das gesamte Gewerbegebiet und damit auch die beiden Kommunen in Nöte bringt.

Vier Kaufverträge für den dritten Bauabschnitt sind bereits unterzeichnet. Bei den Käufern handle es sich um kleinere Unternehmen mit jeweils 10 bis 15 Mitarbeitern, verrät Binder. Sie werden am nördlichen Rand des Gewerbegebiets Richtung Strümpfelbach bauen und zusammen etwa einen drei viertel Hektar belegen. So gut wie sicher ist außerdem, dass die Deutsche Post ihren Zustellstützpunkt vom Spinnerei-Gelände in die Lerchenäcker verlagern wird (wir berichteten). Mit weiteren Interessenten ist Binder in konkreten Verhandlungen: „Es könnte sein, dass wir bis zum Jahresende 2,5 Hektar vermarktet haben.“

Ob auch die Firma Riva weitere Flächen in den Lerchenäckern erwerben wird, steht nach Binders Aussage noch nicht fest. Riva-Chef Hermann Püttmer hatte früher bereits Interesse an einer Erweiterung bekundet, ob diese Pläne noch aktuell sind, ist allerdings unklar: Auf Anfrage teilt Riva-Pressesprecher Witold Buenger lediglich mit: „Derzeit gibt es nichts Konkretes von unserer Seite zu berichten.“ Das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und der Backnanger Stadtverwaltung ist nach den Scharmützeln der vergangenen Monate bekanntermaßen nicht das beste.

Wann in den Lerchenäckern die ersten Bagger anrollen werden, ist noch nicht klar. Ralf Binder weiß zwar von Investoren, die noch in diesem Jahr loslegen wollten, wegen des Baubooms hätten sie aber keine Handwerker gefunden. „Ich gehe deshalb davon aus, dass es erst im nächsten Frühjahr losgeht.“

Quelle: Backnanger Kreiszeitung vom 18. Oktober 2018

saki

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